|
Weltweit
mit über 5000 beschriebenen Arten verbreitet kommen die Ameisenwespen
vor allem in Regionen mit warmen Temperaturen vor. Aus Deutschland wurden
bisher 10 Arten bekannt, von denen 3 auch schon in Westfalen gefunden
worden sind. Die Verwandschaftsbeziehungen zu den anderen Stechimmen
sind noch nicht restlos geklärt. Die derzeit favorisierte Hypothese
ist, dass die Keulenwespen (Sapygidae) die Schwestergruppe der Mutilliden
darstellen. Diese beiden Gruppen zusammen werden als Schwestertaxon
der Rollwespen (Tiphiidae) hypothetisiert. In älteren Büchern werden
all diese Gruppe zusammen mit den Dolchwespen (Scoliidae) zu einem Taxon
Scoliidea vereinigt. Neuere Befunde deuten jedoch daraufhin, dass es
sich bei den Scoliiden um die Schwestergruppe der Faltenwespen (Vespidae)
handelt.
Die
Mutilliden zeigen einen auffälligen Geschlechtsdimorphismus. Bei den
Weibchen handelt es sich um flügellose, gedrungene und relativ stark
behaarte Individuen. Dieser oberflächlichen Ähnlichkeit zu den Ameisen
verdanken die Mutilliden auch ihren deutschen Namen. (In England und
Amerika werden sie übrigens als "Cowkiller" bezeichnet, was wohl auf
die selbst für Menschen sehr schmerzhaften Stiche der Mutillidenweibchen
zurückzuführen ist.). Die Männchen sind im Gegensatz zu den Weibchen
geflügelt. Bei der Gattung Mutilla kann man auch beobachten, dass die
Facettenaugen der Weibchen deutlich kleiner sind die der Männchen.
Bei den Ameisenwespen handelt es sich ausnahmslos um parasitoide Arten.
In Mitteleuropa kommen als Wirte ausschließlich Stechimmen in Frage.
Mutilla europaea z.B. dringt über einen selbstgegrabenen Gang in Hummelnester
ein und belegt dort mit Larven besetzte Brutzellen mit ihrem Ei. Die
sich entwickelnde Ameisenwespenlarve ernährt sich dann sowohl von der
Hummellarve, als auch von dem Nektar- und Pollenvorrat. Vor den Stichen
der Hummelweibchen sind die Mutilliden durch ihren starken Chitinpanzer,
der auch dem Entomologen das Nadeln dieser Tiere erschwert, gut geschützt.
Alle
Mutilliden besitzen auf dem dritten Tergit einen Stridulationsorgan.
Zur Funktion gibt es verschiedene Beobachtungen und Interpretationen,
wie z.B. Anlockung eines Partners oder Abweisen eines Partners durch
nichtkopulationsbereite Weibchen. Als Hauptgrund für das Stridulieren
wird bei den Mutilliden jedoch die Warnung vor dem mächtigen Stachel
der Weibchen angesehen. Hier ist das Stridulieren zusammen mit dem oftmals
auffälligem Färbungsmuster der Weibchen als Warnsignal zu betrachten.
Die
häufigste und verbreiteteste Ameisenwespe in Westfalen ist Smicromyrme
rufipes. Die Art ist deutlich kleiner als Mutilla europaea und wird
aufgrund ihrer sehr großen Ähnlichkeit zu Ameisen wahrscheinlich häufig
übersehen. Als Wirte für diese Art sind eine Reihe verschiedener Grabwespen,
wie z.B. Oxybelus bipunctatus, bekannt. Smicromyrme rufipes und ihre
Wirte sind vor allem in xerothermen Sandhabitaten anzutreffen, wo sie
oft gemeinsam mit der dritten in Westfalen verbreiteten Ameisenwespe
Myrmosa atra auftritt. Beide Arten sind sich in Aussehen und Lebensweise
recht ähnlich.
|